Festivalarchiv 98

Festivalinfo

Im Dezember 1998 übernahm der in Wien geborene legendäre Hollywood-Tycoon Eric Pleskow die Viennale Präsidentschaft.

 

Trailer

BRUCE BAILLIE: PIETÀ

Drei Bilder, drei längere farbenprächtige Einstellungen mit den schwarzen Silhouetten spielender Kinder, eines dichten Vogelschwarmes und einer ihr Baby stillenden Mutter, alle gefilmt im letzten Licht der Abenddämmerung. PIETÀ ist ein kinematographischer Haiku, der mit seinen ebenso wunderschönen wie alltäglichen Bildern scheinbar die schiere Lust an Welt und Leben zum Ausdruck bringen möchte, zugleich aber alles in eine tief melancholische Stimmung taucht.

Es sind sehnsüchtige Bilder, die das Kino hier wirft und evoziert, das unterstreicht auch der Einsatz der todtraurigen Mahler-Musik, der man wiederum auch ein Quentchen Ironie abhören kann.

PIETÀ enthält im Keim eine heute wohl mehr als fragwürdige Utopie: jene eines glücklichen und natürlicheren Lebens abseits von Zivilisation und Gesellschaft. Baillies Bilder haben für uns leicht etwas Klischeehaftes; ihr Symbolcharakter ist jedoch nicht über zu bewerten, vor allem dann nicht, wenn wir die Idee des (filmischen) Haikus ernst nehmen. Denn nach Barthes will der Haiku nichts sagen, will der westlichen Interpretationsmanie gerade entgehen. Er beschreibt nicht, sondern versucht vielmehr, fragile Essenz der Erscheinung zu sein, buchstäblich unfassbare (wenngleich alltägliche) Augenblicke zu fassen. Das Ereignishafte wie das Persönliche an den Bildern Baillies ist im Blick zu behalten: Schließlich ist es seine Familie, seine Welt, die er uns zeigt. An die Naivität und die Verwundbarkeit solcher Bilder knüpft sich die leise Hoffnung, dass sie im Kino (nicht nur als Spot) heute noch möglich sind.

 

 

BRUCE BAILLIE: PIETÀ

USA/A 1998, 1 Minute
Super-VHS (transferiert auf 35mm)/ 1:1,66/Farbe
Regie, Kamera, Schnitt: Bruce Baillie
Musik: Gustav Mahler
Produktion: Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien, T +43 1 526 59 47, office@viennale.at
Weltvertrieb: Bruce Baillie, 669 West Kodiak Avenue, Camano Island, WA 98292, USA, T 360 387 10 81, F 360 629 31 39

BRUCE BAILLIE
Geboren 1931. Filmstudium u.a. an der London School of Film Technique. 1960 entsteht sein erster Film ON SUNDAYS, 1961 gründet er die Firma Canyon Cinema. Baillie war neben Brakhage oder Anger einer der wichtigsten Filmemacher der amerikanischen Avantgarde der 60er Jahre. In Filmen wie MASS FOR THE DAKOTA SIOUX (1964) oder QUIXOTE (1964-1965, rev. 1967) war ihm, über den persönlichen Ausdruck hinaus, ein kritischer Diskurs zur amerikanischen Zivilisation und Politik ein zentrales Anliegen.
Filme (Auswahl): DAVID LYNN’S SCULPTURE (1961), HAVE YOU THOUGHT OF TALKING TO THE DIRECTOR? (1962), A HURRAH FOR SOLDIERS (1962/63), TUNG (1966), CASTRO STREET (1966), ALL MY LIFE (1966), STILL LIFE (1966), QUICK BILLY (1970), ROSLYN ROMANCE HIS IT REALLY TRUE?J: INTRO. I & II (1978), THE CARDINAL’S VISIT (1980), DR. BISH REMEDIES (1978), THE P;38 PILOT (1990).

Sujet

Sujet der Viennale 1998
Konzept und Realisation: Perndl Büro für Grafik
© Viennale

Photos

Filmpreis

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 1998 ging der Wiener Filmpreis an:

MEGACITIES
Michael Glawogger, A/CH 1998

Jury: Stefan Stiglbauer, Bernhard Praschl, Sven Gächter, Sudabeh Mortezai, Agnes Pluch