Festivalarchiv 18

Festivalinfo

Mit dem heutigen Tag und der Galavorführung des Films EL ÁNGEL von Luis Ortega geht die 56. Viennale äußerst erfolgreich zu Ende. Die Zahl der BesucherInnen ist mit 93.200 im Vergleich zu 2017 (91.700 BesucherInnen) gestiegen.

„Ich bin überwältigt, was die Energie und Wärme betrifft, die ich bei der heurigen Viennale empfunden habe, die für mich  etwas ganz Besonderes ist, weil es sich hier um mein Debüt als Direktorin des Festivals handelt“, so Eva Sangiorgi. „Diese außergewöhnliche Atmosphäre, über die alle unsere Gäste gesprochen haben, schafft dauerhafte Verbindungen zur Stadt und zum Festival – und ist darüber hinaus wahrhaft ansteckend.“

Die Viennale wurde in diesem Jahr zum ersten Mal von Eva Sangiorgi verantwortet und wartete neben einem akzentuierten Programm mit einer Reihe schöner Neuerungen auf. So konnten Kinofans, FilmemacherInnen und Gäste aus Branche und Presse bei den „Aperitivi“ im Festivalzentrum in entspannter Atmosphäre miteinander ins Gespräch kommen und Studierende verbilligte Daytime Tickets erstehen. Das Filmmuseum zeigte zum ersten Mal nicht nur Filme der Retrospektive, sondern auch Features aus dem regulären Programm des Festivals und war sehr gut ausgelastet. Hervorragend angenommen wurde auch eine Sondervorstellung für SchülerInnen und Lehrlinge, die das Gartenbaukino bis auf den letzten Platz füllte.

Viele der 315 Vorstellungen waren ausverkauft oder hervorragend besucht, die Premieren im Gartenbaukino lockten in diesem Jahr besonders viele Filmfreunde in das Haus am Parkring. Als überwältigender Erfolg entpuppte sich das dem Filmemacher Roberto Minervini gewidmete Programm, der seine Filme mit großer Leidenschaft persönlich vorstellte. Während die Filme des argentinischen Regisseurs Jorge Acha nicht auf die erhoffte Resonanz beim Publikum stießen, fanden die thematisch zusammengestellten Kurzfilmprogramme äußerst großen Publikumszuspruch.

Zu den Highlights der diesjährigen Viennale zählte auch das Programm im Festivalzentrum in der Kunsthalle Wien im Museumsquartier, das sich mit seinem Mix aus relaxten Aperitivi, interessanten Film-Talks und Buchpräsentationen, Parties und DJ-Lines sowie exquisiten Konzerten als außergewöhnlich vielseitig und spannend erwies.

Die gemeinsam mit dem Filmmuseum veranstaltete Retrospektive The B-Film – Hollywoods Low-Budget-Kino 1935–1959 konnte viel – auch internationale – Aufmerksamkeit auf sich ziehen und kommt, hochgerechnet auf die Gesamtlänge des Programms, auf etwa 4.500 BesucherInnen.

 

Trailer

V'18 Trailer

THE BOY WHO CHOSE THE EARTH von Lav Diaz

Die Viennale freut sich sehr, mitteilen zu können, dass der diesjährige Festival-Trailer vom mehrfach preisgekrönten philippinischen Filmemacher Lav Diaz gestaltet wurde. Viele seiner schon ob ihrer Länge außergewöhnlichen Filme wurden bei der Viennale gezeigt, 2014 gewann er in Locarno den Goldenen Leoparden, vor zwei Jahren mit THE WOMAN WHO LEFT auch den Goldenen Löwen in Venedig.

Im Viennale-Trailer mit dem Titel THE BOY WHO CHOSE THE EARTH erzählt Lav Diaz die Geschichte eines Buben, der noch etwas vorhat in seinem Leben - er bildet sich und schmiedet Pläne. Dann klopft es an der Tür und jemand macht sich davon und er bleibt buchstäblich im Regen stehen. Scharf krachen Blitzunddonner und prasselt das Wasser alles verschlingend. Ungläubig richtet der Bub den Blick gen Himmel – soll dies sein Schicksal sein? Es ist mutmaßlich der kürzeste Film, den Lav Diaz je gedreht hat – ein Samenkorn, reich an Bedeutung.

„Jedes Jahr lädt die Viennale große RegisseurInnen ein, den kurzen Moment, der den Filmscreenings vorausgeht, zu beleben. So ist der Viennale-Trailer eine Art Übergangsritual, das uns herausführt aus der realen Welt hinein in jene des Kinos, in der alles zwar auch wahr, aber verdichtet ist“, so Viennale Direktorin Eva Sangiorgi. „Lav Diaz ist einer der großen Meister des zeitgenössischen Kinos. Sein filmischer Blick, sein Rhythmus und sein Timing sind einzigartig und originell, mit seinem Kino zeichnet er die Geschichte seines Landes aus der Erfahrung eines Einzelnen nach und hebt sie damit auf eine universelle Ebene. Wir feiern die politische und ästhetische Kraft dieses kleinen großartigen Films, welche sich in diesem besonderen Blick auf die Welt offenbart, der einerseits deren Schönheit veranschaulicht, gleichzeitig aber auch deren Unheil anprangert.“
 

THE BOY WHO CHOSE THE EARTH 
Lav Diaz, PH/A 2018

Produktion Lav Diaz im Auftrag der Viennale
Weltrechte Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien, T +43 1 526 59 47
Weltvertrieb Sixpack Film, Neubaugasse 45/13, 1070 Wien, T +43 1 526 09 90

 

Gäste

Die Viennale konnte in diesem Jahr 170 RegisseurInnen und SchauspielerInnen in Wien willkommen heißen, die ihre Filme persönlich beim Festival präsentierten.

Zu den internationalen Medien, die 2018 bei der Viennale vertreten waren, zählten neben zahlreichen anderen der Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung, Le Monde, Canal Plus, France24 TV, RAI, Expresso, Politika, Monitor, BBC World, Cumhuriyet, Arka Pencere, Oslobodjenje sowie Fach und Branchenmedien wie Cahiers du cinéma (F), Sight & Sound (GB), Film Comment (USA), Cinemascope (KAN), Cineuropa, mubi.com (USA), Blickpunkt:Film (D), Filmdienst (D), kinozeit.de (D), artechock.de (D), critic.de (D), epd Film (D), Cargo (D), Freitag (D), Positif (F), filmidee.it (I), Ekran (SLO), Cinephilia (GR), Altyazi (TUR), otroscines.com (ARG), Canal Once (MEX), Arterritory.com (RUS), Senses of cinema (AUS) u.a.

Wir durften zudem VertreterInnen der Berlinale sowie der Filmfestivals von Locarno, Lissabon, Rotterdam, Toronto, Marseille, Mar del Plata, Mexiko City, Oberhausen, London, Leipzig, München, Dresden, Prag, Warschau, Seoul, Jeonju City, Pingyao, Teheran u.a. sowie des Tate Modern London und ICA London bei der Viennale willkommen heißen.

Insgesamt waren rund 600 Medien- und BranchenvertreterInnen bei der Viennale 2018 akkreditiert.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim Festival 2019!

 

Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

 

Photos

Hier sehen Sie eine kleine Auswahl der schönsten Fotos der Viennale 2018:
(Die Bildergalerien der einzelnen Festivaltage finden Sie hier.)

Filmpreis

V'18 Filmpreise

Im Rahmen der Abschlussgala am 8. November 2018 wurden folgende Filmpreise vergeben:

WIENER FILMPREIS
Jury: Bettina Kogler, Mira Lu Kovacs, Corinna Milborn, Doris Uhlich, Renate Wurm
Der Wiener Filmpreis, eine von der Stadt Wien gestiftete und im Rahmen der Viennale vergebene Auszeichnung, gilt einem aktuellen österreichischen Langfilm, der im vergangenen Jahr zur Aufführung gelangte. Die Dotierung dieses Preises besteht aus einem Geldbetrag, der von Seiten der Kulturabteilung der Stadt zur Verfügung gestellt wird, sowie großzügigen Sachwerten, gestiftet von den Sponsoren BLAUTÖNE und viennaFX. Beim Wiener Filmpreis werden zwei Preise vergeben: der Preis für den besten österreichischen Film und der Spezialpreis der Jury. Durch die Großzügigkeit und das Engagement aller Beteiligten ist der „Wiener Filmpreis“ weiterhin Ermutigung und Anerkennung für die Arbeit österreichischer Filmemacher und Filmemacherinnen.

Bester österreichischer Film:
JOY
Sudabeh Mortezai, A 2018

Auszug aus der Jurybegründung:
Die Wiener Regisseurin Sudabeh Mortezai erzählt direkt und ungeschönt die Geschichte der Nigerianerin Joy, die in Wien als Prostituierte im System von Frauenhandel und sexueller Ausbeutung ums Überleben kämpft. Dabei entlarvt die Regisseurin die Mechanismen und Brutalität dieses Systems und erzeugt mit den großartigen Laiendarstellerinnen eine Authentizität und Intensität, die unter die Haut geht. Die Jury hat besonders beeindruckt, wie Sudabeh Mortezai diese Realität in einen Film verwandelt hat. (…) Die schier unglaubliche Geschichte, die beeindruckende Schauspielführung, die improvisierten Dialoge und nicht zuletzt die Kameraführung, die einen unmittelbar teilhaben lässt, haben die Jury einstimmig überzeugt. Somit geht der Wiener Filmpreis an JOY.

Spezialpreis der Jury:
MURER – ANATOMIE EINES PROZESSES
Christian Frosch, A/LUX 2018

Auszug aus der Jurybegründung:
Der Spezialpreis geht an MURER – ANATOMIE EINES PROZESSES von Christian Frosch. Der Spielfilm schildert das Gerichtsverfahren gegen den österreichischen Funktionär der NSDAP Franz Murer, auch bekannt als der „Schlächter von Vilnius“ aufgrund der Vernichtung von fast 80.000 Juden. Das Verfahren wurde in den 1960er Jahren in Graz abgehalten und endete mit einem Freispruch. MURER – ANATOMIE EINES PROZESSES portraitiert sehr eindrücklich den unaufgearbeiteten österreichischen Nationalsozialismus der Nachkriegszeit, der – man kann es nicht anders sagen – bis heute fortwirkt. Die Jury empfindet den Film deshalb als wichtiges gegenwärtiges Dokument, das aufklärend wirkt. Der Gerichtsfilm stellt die Unverfrorenheit, Kaltblütigkeit und Uneinsichtigkeit der Täter und Täterinnen dem Schmerz und der neuerlichen Demütigung der Opfer sehr genau und berührend gegenüber.

STANDARD-VIENNALE-PUBLIKUMSPREIS
Jury: Katharina Ganser, Maria Macic, Patrick Mittler, Marietta Trendl, Hans-Peter Tscheru
Der Preis der Standard-Leserjury geht an einen Film, der noch keinen Verleih in Österreich hat und dem ein Kinostart in Österreich besonders empfohlen wird. Findet der Film einen Verleih, ist der Kinostart mit kostenlosem Anzeigenraum in der Tageszeitung „Der Standard“ verbunden.

Der STANDARD-PUBLIKUMSPREIS geht an:
WHAT YOU GONNA DO WHEN THE WORLD’S ON FIRE?
Roberto Minervini, I/USA/F 2018

Auszug aus der Jurybegründung:
Wir haben uns für einen Film entschieden, der sich in wuchtiger schwarz-weiß Bildästhetik über die Leinwand erstreckt, und von der Präzision fotografisch-gezeichneter Einstellungen geprägt ist. Mit dieser Ästhetik lässt der Regisseur eine generationsübergreifende Dokumentation über Gerechtigkeit, Würde und den Kampf gegen Rassismus entstehen, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Seine zurückhaltende und respektvolle Arbeitsweise schafft eine intime Authentizität und Lebendigkeit, die berührt und fasziniert. Der Film zeigt und belehrt dabei nicht. Er ist ein wichtiger und wertvoller Beitrag zum öffentlichen Diskurs über die strukturelle Diskriminierung von AfroamerikanerInnen in den USA.

FIPRESCI PREIS (PREIS DER INTERNATIONALEN FILMKRITIK)
Jury: Andrey Arnold (Die Presse), Heidi Strobel (Film-Dienst), Yeşim Tabak (Arka Pencere)
Zur Auswahl steht eine Reihe von Erst- und Zweitfilmen von RegisseurInnen.

Der FIPRESCI-Preis geht an:

NE TRAVAILLE PAS (1968–2018)
César Vassyié, F 2018

Auszug aus der Jurybegründung:
Sensation, Sexualität, Verwirrung. Performance, Beharrlichkeit, Widerstand … Eskalation und Ablenkung. Loslösung … oder Engagement? Dies sind nur einige Begriffe, um die pulsierende Spannung in unserem Gewinnerfilm zu beschreiben. Sie lassen uns über das kreative Potenzial von 1968 und dessen heutiges Echo nachdenken. Dieser Film ist eine hypnotische Collage, eine dynamische Komposition, ein gewaltiger Trommelwirbel, der uns in einen Moment der Stille führt ... Die FIPRESCI-Jury hat sich entschieden, den FIPRESCI-Preis an NE TRAVAILLE PAS von César Vayssié zu verleihen.

ERSTE BANK MehrWERT-FILMPREIS
Jury: Silvia Bohrn, Boris Manner, Franz Schwartz
Erstmals wurde 2011 der von der Erste Bank initierte und gestiftete MehrWERT-Filmpreis vergeben. Der Erste Bank MehrWERTFilmpreisträger wird unter den österreichischen Filmemachern und österreichischen Filmproduktionen, die während der Viennale präsentiert werden, von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Mit dem Erste Bank MehrWERT-Filmpreis wird ein Aufenthalt in New York City einschließlich einer Werkpräsentation im Anthology Film Archive ermöglicht. Die Realisierung des Erste Bank MehrWERT-Filmpreises findet in Zusammenarbeit mit der Viennale und dem Deutschen Haus at NYU statt.

Der MehrWERT-Filmpreis geht dieses Jahr ex aequo an:
CHAOS
Sara Fattahi, A/Syrien/Libanon/Katar 2018

 

STYX
Wolfgang Fischer, D/A 2018

Auszug aus der Jurybegründung für CHAOS:
Drei Frauen die an unterschiedlichen Orten gestrandet sind, versuchen ihre tödlichen Verluste und Traumata, die sie während des Krieges in Syrien erleiden mussten, zu verarbeiten. In atmosphärischen teils traumhaften Bildern folgt der Film dem Rhythmus den die vergeblichen Versuche der Protagonistinnen erzeugen, um das Unsagbare, den Tod eines geliebten Menschen, in Worte zu fassen. Chaos ist eine Meditation über das Schweigen und die Stille. Eine Frage nach dem Ort des weiblichen Sprechens. Ein Film der die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Erinnerung thematisiert. Ein Film der seine eigenen Grenzen der Darstellung reflektiert und diese transzendiert indem er den Atem eines Gedichtes annimmt.

Auszug aus der Jurybegründung für STYX:
Ihre Segelreise von Gibraltar ausgehend, wird für die einhand segelnde Ärztin Rike zu einer existentiellen Herausforderung. Ein Filmgeschehen wie eine Versuchsanordnung zur Erforschung der menschlichen Empathiefähigkeit, und doch von der Realität schmerzhaft übertroffen. Zwischen Seerecht und behördlicher Anordnung trifft eine Frau unter Einsatz ihrer Existenz eine finale Entscheidung. Mit seiner genauen Recherche und einer konsequenten Umsetzung lässt der Film auch dem Zuschauer keinen Ausweg und zwingt ihn, sich dem Problem zu stellen und eine Entscheidung zu treffen.