V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

Festivalarchiv 09

Festivalinfo

BILANZ DER VIENNALE 2009
Mit 94.800 ZuseherInnen gelang der Viennale 2009 wiederum ein beachtlicher Zuwachs an Besucherzahlen. Auch die auch die Gesamtauslastung des Festivals stieg weiter an auf 79,60 % (2008 lag die Gesamtauslastung bei bei 76,80%). Während die Anzahl der Kinovorstellungen mit 345 nahezu gleich blieb, stieg die Anzahl der ausverkauften Vorstellungen auf 124. Das bedeutet, dass mehr als ein Drittel der Vorführungen ausverkauft war.
Was den Vergleich von Spielfilmen und Dokumentarfilmen im aktuellen Programm angeht, so war die Auslastung in etwa ausgeglichen. Ein Zeichenn dafür wie gleichwertig diese verschiedenen filmischen Formen bei der Viennale wahrgenommen werden.
Tilda Swinton, Viennale 2009TRIBUTES & SPECIALS
Unter den Tributes und Special Programs war erwartungsgemäß das der Schauspielerin Tilda Swinton gewidmete Programm das erfolgreichste der Viennale 2009. Ein überraschender Erfolg hingegen war die hervorragende Auslastung des vom Filmarchiv Austria veranstalteten Specials zum frühen österreichischen Kino. Ein weiteres Tribute war dem philippinischen Filmemachers Lino Brocka  gewidmet.

Jonathan Rosenbaum, Viennale 2009RETROSPEKTIVE - The Unquiet American – Transgressive Comedies from the U.S.
Die jährliche gemeinsam mit dem Filmmuseum veranstaltete Retrospektive war auch 2009 ein schöner Erfolg.  Jonathan Rosenbaum kuratierte die Filmschau The Unquiet American – Transgressive Comedies from the U.S.

«Für mich war diese Viennale vielleicht eine der schönsten und am besten gelungenen bisher», so Festival-Direktor Hans Hurch. «Deshalb sehe ich sie auch als Ermutigung und Auftrag für das Festival, den eigenständigen und manchmal eigensinnigen Weg mit allen nötigen Veränderungen in den nächsten  Jahren weiterzugehen.»

Trailer

JAMES BENNING: FIRE & RAIN

Wie erfüllt man die Vorgabe, etwas nur eine Minute dauern zu lassen, wenn man doch in Wahrheit zehn Mal so lange warten müsste? Man kocht es ein. «I took the steel rolling process that takes about ten minutes», schreibt James Benning über FIRE & RAIN, «and condensed it down to one minute by cutting out portions and hiding the ellipses in time with dissolves.»

Das Einschmelzen nimmt James Benning also wörtlich, wenn er in einem Stahlwerk im Ruhrgebiet die Verarbeitung von glühendem Metall verfolgt. Doch Benning, selbst aus der Industrieregion Milwaukee stammend, zeigt nicht die harte menschliche Arbeit, sondern – wie in fast allen seinen langen Dokumentarfilmen – die Bewegung an sich: als Teil eines mechanisierten Arbeitsprozesses. Nachdem der glühende Stahl ein paar Mal wie ein Lichtstreifen durch das Bild gefahren ist, wird er von einem künstlichen Regen gelöscht – eine Dampfwolke setzt Bild und Bewegung ein Ende.

FIRE & RAIN ist als Miniatur zugleich ein Hinweis auf Bennings nächsten Film Ruhr, das Porträt einer Region im Strukturwandel. Denn für Benning vollzieht sich der Wandel einer Gegend oder gar eines ganzes Landes mitunter in einer einzigen Einstellung. Auch wenn sie nur eine Minute lang dauert.

 

 

JAMES BENNING: FIRE & RAIN

USA/A 2009, 1 Minute
35mm/1:1,85/Farbe, kein Dialog
Realisation: James Benning
Produktion: James Benning im Auftrag der Viennale
Weltrechte: Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien, T +43 1 526 59 47,
office@viennale.at
Weltvertrieb: Sixpack Film, Neubaugasse 45/13, 1070 Wien, T +43 1 526 09 90,
office@sixpackfilm.com

JAMES BENNING
Geboren 1942 in Milwaukee. Studiert Mathematik, danach Film an der Universität von Wisconsin. Seit den 70er Jahren ist er einer der herausragenden Vertreter des Avantgardefilms. Die Auseinandersetzung mit amerikanischen Landschaften nimmt in seinem Werk einen breiten Raum ein. James Benning lehrt am California Institute of the Arts.
Filme (Auswahl): 11 X 14 (1976), LANDSCAPE SUICIDE (1986), DESERET (1995), FOUR CORNERS (1997), UTOPIA (1998), EL VALLEY CENTRO (1999), LOS (2000), SOGOBI (2001), 13 LAKES (2004), TEN SKYS (2004), ONE WAY BOOGIE WOOGIE/ 27 YEARS LATER (2005), CASTING A GLANCE (2007), RR (2007), RUHR (2009), JOHN KRIEG EXITING THE FALK CORPORATION IN 1971 (2010), TWENTY CIGARETTES (2011).

Gäste

Auch 2009 konnte die Viennale viele wichtige und spannende Persönlichkeiten des Weltkinos begrüßen. Insgesamt waren 127 RegisseurInnen und SchauspielerInnen zu Gast beim Festival.

Tilda Swinton, Viennale 2009Neben dem Ehrengast des Festivals, Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton, folgten auch die französischen Schauspielerinnen Jane Birkin und Béatrice Dalle der Einladung nach Wien. Große, eigenständige Filmemacher wie Pedro Costa, Michael Almereyda oder Luc Moullet präsentierten ebenso ihre Filme im Rahmen des Festivals.

Romeo Carey, Viennale 2009Romeo Carey kam als Gast der Viennale nach Wien, um 15 Jahre nach dem Tod seines Vaters erstmalig in Europa ein umfassendes Tribute für Timothy Carey zu präsentieren.Die chinesische Filmemacherin und Autorin Guo Xiaolu war ebenfalls zu Gast in Wien. Die Viennale zeigte als erstes Festival weltweit ihr bisheriges Gesamtwerk.
 

Sujet

Sujet der Viennale 2009

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

 

Rahmenprogramm

Viennale Festivalzentrum am Badeschiff, Viennale 2009VIENNALE FESTIVALZENTRUM AM BADESCHIFF
Zum ersten Mal diente das Badeschiff am Wiener Donaukanal als Festivalzentrum. Auf Anhieb gelang es, das Badeschiff als populären und zahlreich besuchten Festivaltreffpunkt zu etablieren. In direkter und loser Assoziation zum Filmprogramm fanden verschiedene Gesprächsrunden mit Persönlichkeiten sowie Live-Acts prominenter, experimenteller Künstler und Künstlerinnen statt: So trat der New Yorker Performer Kalup Linzy erstmals in Österreich auf, Filmemacher Ben Russell performte zu Live-Improvisationen von Musiker Ekkehard Ehlers, und Guo Xiaolu las aus ihrem literarischen Werk.
 Robert Newald Tanzbare Abende folgten dem Motto «Wir sind schon mittendrin» nach dem Film von Elmar Szücs und präsentieren DJs aus dem Umfeld von Ute Bock anlässlich der Uraufführung von Bock For President. Zu den Höhepunkten zählten die Publikumsgespräche mit Tilda Swinton sowie Shirin Neshat, aber auch die längst legendäre Reihe «FilmemacherInnen an den Plattentellern».

 

 Klaus VyhnalekPREMIEREN UND GALAS
Die Gala zu Ehren von Stargast Tilda Swinton sowie die Galavorführung THE WORLD'S GREATEST SINNER zu Ehren von Timothy Carey stellten neben zahlreichen nationalen Filmpremieren mit prominenter heimischer Besetzung (BLUTSFREUNDSCHAFT, DOMAINE, LOURDES) und der österreichischen Produktion LA IVELLINA, die als Eröffnungsfilm gezeigt wurde, weitere filmischen wie auch gesellschaftliche Höhepunkte des Festivals dar.

Nick Bärtsch und seine Formation Ronin im RadioKulturhaus, Viennale 2009NIK BÄRTSCH KONZERT
Ausgehend von der Dokumentation SOUNDS AND SILENCE über das legendäre deutsche Musiklabel ECM und seinen Begründer Manfred Eicher, veranstaltete die Viennale in Zusammenarbeit mit Ö1 im RadioKulturhaus ein Live–Konzert des Schweizer Freejazzmusikers Nik Bärtsch und seiner Formation Ronin. Bei der Premiere von SOUNDS AND SILENCE im Gartenbaukino erwiesen neben Nik Bärtsch auch die beiden internationalen Starmusiker des Labels ECM Avo Pärt und Dino Saluzzi dem anwesenden Manfred Eicher die Ehre.

 Alexander TumaBOCK FOR PRESIDENT
In Zusammenarbeit mit dem Stadtkino-Verleih präsentierte die Viennale als kleinen solidarischen Beitrag für die Anliegen und den Protest der selbstorganisierten Studentenschaft die Weltpremiere der Dokumentation BOCK FOR PRESIDENT im besetzten Audimax. Die Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock und die Regisseure Houchang Allahyari und Tom-Dariusch Allahyari waren im übervollen Hörsaal anwesend. Ute Bock wurde von den rund 1.300 StudentInnen minutenlang mit standing ovations gefeiert.

Filmpreis

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 2009 wurde der Wiener Filmpreis erstmals in zwei Kategorien vergeben.

Preisträger Kategorie Spielfilm
LOURDES
Jessica Hausner, A/F 2009

Preistäger Kategorie Dokumentarfilm
COOKING HISTORY
Péter Kerekes, A/SK/CZ 2009

Jury: Marie-Christine Friedrich, Esther Stocker, Markus Hinterhäuser, Hans Langsteiner, Josef Winkler

FIPRESCI PREIS

Im Jahr 2009 ging der FIPRESCI Preis an:

XIAO LI ZIX (Survival Song)
YU Guangyi, China 2008

Jury: Dennis Lim (USA), Jan Lumholdt (Schweden), Thomas Taborsky (Österreich) und Milan Vlajcic (Serbien).

STANDARD-VIENNALE-PUBLIKUMSPREIS

Im Jahr 2009 ging der STANDARD-Viennale-Publikumspreis an:

DARBAREYE ELLY
Asghar Farhadi, Iran 2009

Jury: Werner Dolin, Markus Gaßner, Gülcin Körpe, Katharina Majchrzak, Helga Wagner

 

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