V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

Festivalarchiv 02

Festivalinfo

12 Festivaltage. 244 Vorstellungen. 237 Filme. 76 Filmgäste. 468 Akkreditierte. 70.400 Zuschauerinnen und Zuschauer.

HAUPTPROGRAMM
„Kino als Sammelsurium, das ist auch das Prinzip von Agnès Varda, die DEUX ANS APRÈS zeigte, der den Kartoffelklaubern und allen anderen Resteverwertern gewidmet war. Und den Filmemachern natürlich, die all das ans Licht bringen wollen, was die übrige Welt ohne Beachtung lässt. Man muss vom Schubladendenken weg, wenn man solche Entdeckungen machen will. Und, vor allem, von der Zweiklassen-Theorie der Filmgeschichte, USA vs. Europa, Hollywood vs. Avantgarde.“ (Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung)

Außer DEUX ANS APRÈS fanden noch andere Welturaufführungen beim Festival statt:
SULLA (Klaus Wyborny), VATERS LAND (Nurith Aviv), IM ANFANG WAR DER BLICK (Bady Minck), NACH DEM TOD DES ALTEN ROMS (Meinhart Ropp), TURHAN BEY – VOM GLÜCK VERFOLGT (Andrea Eckert), ERWACHEN AUS DEM SCHICKSAL (Stephan Settele).
Auch einige – im Festivalbetrieb wichtige – Europapremieren konnten bei der Viennale  gezeigt werden: AUTO FOCUS (Paul Schrader), FRAILTY (Bill Paxton), LAST BALL (Peter Callahan), ARCHITECTURE OF RIOT (Erika Vogt), BATTLE STATIONS – A NAVEL ADVENTURE (Dominic Angerame), NIGHTINGALE (Lee Ann Schmitt), NATIONAL ARCHIVE V.1 und AN INJURY TO ONE (Travis Wilkerson), UNE VIE NOUVELLE (Philippe Grandrieux).
TRIBUTES & SPECIAL PROGRAMS
Die Tributes waren 2002 dem bedeutenden deutschen Dokumentaristen Jürgen Böttcher, der amerikanischen Schauspielerin Sissy Spacek und dem amerikanischen Kameramann Ed Lachman gewidmen.Unter den Spezialprogrammen stießen vor allem die Welturaufführung von Agnès Vardas DEUS ANS APRÈS, die erste internationale Präsentation des Gesamtwerks von Zeki Demirkubuz, die Lesung aus dem neuen Buch von Dietrich Kuhlbrodt, die Präsentation von zwei Programmen mit „Japanese Visuals“ auf große Resonanz.
RETROSPEKTIVE - Das Kino des Jacques Rivette

Unter den legendären Filmemachern der französischen Nouvelle Vague ist der Regisseur Jacques Rivette bis heute der verborgenste, der geheimnisvollste und vielleicht auch der am wenigsten bekannte.

In der Retrospektive wurde erstmals in Österreich eine vollständige Werkschau der Arbeiten Jacques Rivettes gezeigt, darunter die nur sehr selten gezeigte 12 ½ stündige Version OUT 1: NOLI ME TANGERE (1970). Darüber hinaus war es der Viennale gelungen, Jacques Rivette zu gewinnen, eine eigene, sehr persönliche Auswahl von Filmen zusammenzustellen und in den Kontext seiner eigenen Werkschau zu stellen.
Yoko Ono, Viennale 2002 AUSTELLUNG - YOKO ONO

Die in der Galerie KlausEngelhorn mit großem medialem Echo eröffnete und von der Künstlerin persönlich präsentierte Ausstellung «Yoko Ono – FROM MY WINDOW» - stiess auf enorme Resonanz und Publikumszuspruch. Die Vernissage wurde zu einem Ereignis, das angesichts der überaus großen Besucherzahl leider nur von zu wenigen live mitverfolgt werden konnte – nicht einmal durch die großen Fenster der Galerie am Stubenring, denn diese waren nach kurzer Zeit so beschlagen, dass kein „Seitenblick“ möglich war.

 

 

Trailer

STAN BRAKHAGE: SB

Nach den großen amerikanischen Avantgardisten Bruce Baillie und Jonas Mekas lud die Viennale in konsequenter Fortführung einer formidablen Idee einen weiteren radikalen Vertreter des experimentellen Films ein, den Trailer zum Festival zu gestalten. Stan Brakhage braucht gerade einmal 50 Sekunden um die Macht des Blickes in Frage zu stellen. Ohne Ton und handgemalt. Es beginnt infernalisch in Gelb-Rot, mit Verunreinigungsspuren, deren genaue Struktur auszumachen nicht genug Zeit bleibt, weil sich das Bild schneller ändert als ihm das Auge folgen kann. Es folgen ein Tanz der Farben, Formen, Fehler, in einer Geschwindigkeit, die der lyrischen Wirkung des Resultats zu spotten scheint. Farbflecken, rasend, mutierend: Brakhage montiert seine Bilder, die durchs hellste Licht und tiefste Dunkel führen, samt ihrer Entstehungsgeschichte. Davon erzählen die Stiftkratzer und Pinselstriche, die Siebdruckraster und Kopierfehler, die ganzen Störungen, die im Aufblitzen noch einmal eine eigene, widerborstige Erzählung in die berauscht pulsierenden Collage-Tapeten ritzen.

Es ist dieser frenetische Pulsschlag, der Brakhages explosive Miniatur zusammenzuhalten scheint: Sonst würde sie der Sog der potenziell unendlichen Information, die sich beständig vor dem Auge wandelt, wahrscheinlich zerstieben lassen. Die absolute Essenz von über einem Jahrhundert Kinogeschichte: Montage, Farbe, Licht. Und die sogenannte Handlung, das ist auch ein Vorteil, bleibt der Imagination des Publikums überlassen. Am Schluss dann: ein schnelles Aufatmen, ganz in Schwarz. Und sechs Kader einer flüchtigen Signatur, fast wie ein Verklingen: SB. Dieser Festival-Trailer ist eigentlich doch ein Tonfilm: ein Musikfilm, genau genommen.

Der Film, den Stan Brakhage für die Viennale gemacht hat, trägt als lakonischen Titel seine eigenen Initialen, SB, und ist Teil jener Filmarbeit der «handpainted films», die Brakhage immer wieder als spezifische Materialbearbeitung gewählt hat. Es ist ein stummes, farbiges Stück reinsten Rhythmus, eine freie, schwebende, leuchtende Folge von Bewegung und Farbe. Im Getöse des großen verschwenderischen Kinos war dieses kleine filmische Haiku ein besonderes Geschenk des großen Filmemachers Stan Brakhage.

STAN BRAKHAGE: SB
USA/A 2002, 1 Minute
35mm/1:1,66/Farbe

Konzept Stan Brakhage
Realisation Stan Brakhage
Produktion und Weltvertrieb Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien,
T +43 1 526 59 47, office@viennale.at

STAN BRAKHAGE
Geboren 1933 in Kansas City, Missouri, gestorben 2003 in Victoria, British Columbia. Brakhage studierte am Institute of Fine Arts in San Francisco und begann 1952 Filme zu machen. Bald etablierte er sich als führender Vertreter des New American Cinema. In San Francisco und New York arbeitete er mit zahlreichen Avantgarde-Künstlern. 1970 begann er am School of the Art Institute of Chicago zu unterrichten. 1974 stellte er sein abstraktes Hauptwerk THE TEXT OF LIGHT fertig. 1986 ging er nach Boulder, Colorado, wo er bis zu seinem Tod unterrichtete. Sein Film DOG STAR MAN (1964) wurde 1999 von der US Library of Congress zum «Nationalen
Filmerbe» hinzugefügt.
Weitere Filme (Auswahl): THE ACT OF SEEING WITH ONE’S OWN EYES (1971), MURDER PSALM (1980), NIGHT MUSIC (1986), ELEMENTARY PHRASES (1994), KEEPERS OF THE FLAME (1999), THE GOD OF DAY HAD GONE DOWN UPON HIM (2000), DANCE, LOVE SONG, LOVE SONG 2, OCCAM’S THREAD (alle 2001), LOVE SONG 3, ASCENSION, LOVE SONG 5, LOVE SONG 6, DARK NIGHT OF THE SOUL, MICRO;GARDEN (alle 2002), STAN’S WINDOW, WORK IN PROGRESS, CHINESE SERIES, WATER FOR MAYA (alle 2003).

Gäste

Eine kleine Auswahl der zur Viennale 2001 geladenen FilmkünstlerInnen:

Yoko Ono, Viennale 2002 YOKO ONO
Die 1933 in Tokyo geborene und in New York lebende Künstlerin Yoko Ono war bei der Viennale 2002  zu Gast und eröffnete ihre Ausstellung "From My Window" in der Galerie KlausEngelhorn20/22.  Die Viennale  zeigte außerdem den 1969 vom ORF produzierten Film RAPE, der einen Höhepunkt des gemeinsamen Schaffens von Yoko Ono und John Lennon darstellt.

Agnès Varda, Viennale 2002AGNÈS VARDA
Agnès Varda brachte bei der Viennale ihren Film DEUX ANS APRÈS  im Gartenbaukino zur Uraufführung. Am Abend der Vorstellung berichtetete sie über die Beweggründe, den Film zu drehen:  Das Echo, das Filmemacherin mit ihrem Film LES GLANEURS ET LA GLANEUSE erzeugte, war so stark, dass sie beschloss, einen Film über diese Nachwirkungen zu drehen: Darüber, wie sie die Nachwirkungen des Films erlebte, wie sie auf die Post - die sie masssenweise erhielt – reagierte, wie sie neuen Sammlern begegnete.

 

Ed Lachman, Viennale 2002ED LACHMAN
Dem charismatischen Kameramann Ed Lachman war bei der Viennale 2002 einTribute gewidmet. Der Amerikaner zeichnet sich für die Kameraarbeit einer Reihe von hochkarätigen Filmen – vom Autorenfilm bis hin zum Bockbuster– verantwortlich. Dabei arbeitete er mit Größen wie Werner Herzog, Volker Schlöndorff, Wim Wenders, Paul Schrader oder Steven Soderbergh zusammen. Neben Kameraarbeiten von Ed Lachman, zeigte die Viennale auch seinen erstem Langfilm KEN PARK, wo er gemeinsan mit Larry Clark Regie führte.
 

LUC DARDENNE
Die Brüder Dardenne werden als  die Erben des großen Neorealisten Roberto Rossellini gehandelt. Uneitel suchen sie die Intensität im Alltag, dort, wo sie ihn am besten kennen: in den Lebenswelten der Arbeiterklasse nahe ihrer Heimatstadt Liège. (Christoph Huber)

Luc Dardenne, geboren 1954 in Awirs gründet 1975 mit seinem Bruder Jean-Pierre Dardenne, geboren 1951 in Engis die Produktionsfirma Dérives. Gemeinsam drehen bzw. produzieren sie mehr als 50 Dokumentarfilme, vor allem zu politischen Fragen.
Seit einigen Jahren konzentrieren sie sich auf vielfach preisgekrönte Spielfilme, darunter LA PROMESSE (1996) und ROSETTA (1999), der 1999 in Cannes die Goldene Palme gewinnt. Emilie Dequenne wird als beste Darstellerin ausgezeichnet. 2002 wird Olivier Gourmet, ebenfalls in Cannes, für LE FILS als bester Darsteller prämiert.

 

 

Sujet

Sujet der Viennale 2002
Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale
 

Photos

Sehen Sie hier eine Auswahl der schönsten Gäste- und Festivalfotos der Viennale 2002.

Rahmenprogramm

Agnès Varda, Viennale 2002 WELTPREMIERE VON DEUX ANS APRÈS
Die legendäre französiche Dokumentarfilmerin Agnès Varda präsentierte im Gartenbaukino ihren Film DEUX ANS APRÈS, den Nachfolgefilm von LES GLANEURS ET LA GLANEUSE. Das Publikum zeigte sich überaus begeistert.
 

TURHAN BEY
Mit viel Erfolg, vielen Gästen und Besucherinnen und Besuchern, einer an jenem Abend sehr speziellen Mischung von jüngerem und älterem Festivalpublikum fand die Premiere von Andrea Eckerts Portät TURHAN BEY statt. Turhan Bey, Granseigneur des Hollywood-Abenteuerkinos in Technicolor ließ sich feiern, beim anschließenden Publikumsgespräch ausführlich befragen – und fotografieren.

17 Hippies, Viennale 200217 HIPPIES IM VIENNALE ZELT

Die 17 HIPPIES begeisterten die Besucherinnnen und Besucher des Viennale Zelts mit einem langen Liveauftritt, zu dem auch heftig getanzt wurde. Einen Vorgeschmack auf das Konzert lieferten die Hippies im Foyer des Gartenbaukinos, wo sie unmittelbar vor der Vorstellung von HALBE TREPPE auf den Film einstimmten.

SAM MOORE

Ein weiteres mitreißendes Gespräch im Viennale Zelt bestritten der legendäre Soul-Sänger Sam Moore (von Sam&Dave), seine Frau Joyce, die seit 40 Jahren im Musikbusiness arbeitet, und der Wiener Musikjournalist Thomas Mießgang. Anlass war der Dokumentarfilm ONLY THE STRONG SURVIVE, den D.A. Pennebaker und Chris Hegedus im Jahr 2001 mit einer Anzahl berühmter Soul-Musiker drehten und der bei der Viennale 2002 gezeigt wurde.
 

 

Filmpreis

FIPRESCI PREIS

Im Jahr 2002 ging der FIPRESCI Preis an:

TAN DE REPENTE
Diego Lerman, Argentinien 2002

Besondere Erwähnung:
NAKTA(DUL)
Park Ki-Yong, Südkorea 2001

Jury: Gerald Peary (USA, Boston Phoenix, Jurypräsident), Srdjan Koljevic (Montenegro, Blic), Belinda van de Graaf (Niederlande, Trouw, De
Filmkrant), Philip Cheah (Singapur, BigO Magazine), Maya Irina McKechneay (Österreich, RAY Kinomagazin).

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 2002 ging der Wiener Filmpreis an:

NACHTREISE
Kenan Kilic, A 2002

Jury: Gerda E. Grossmann (Autorin), Christoph Kanter (Ausstatter), Harald Krassnitzer (Schauspieler), Georg Wasner (Journalist, Die Presse) und Renate Wurm (Das Kino, Salzburg).

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