V’14: OCTOBER 23 – NOVEMBER 6, 2014

SUJET

Konzept & Realisation: Rainer Dempf  © Viennale

Das Sujet der Viennale 2014

Das Kino, wie es seit den Tagen seiner Erfindung existiert hat, ist heute Geschichte. Mit der nahezu vollständigen Durchsetzung des Digitalen ist die alte analoge Form zu einer Art Restbestand geworden. Nur mehr vereinzelt ist das analoge Material Grundlage filmischer und künstlerischer Arbeit. Diese neue veränderte Welt des Filmischen findet sich auch in allen Präsentationsformen wieder, die digitalen Technologien folgen und damit auch in der Arbeit eines Filmfestivals. Von den rund 140 neuen, aktuellen Langfilmen des diesjährigen Hauptprogramms der Viennale sind der allergrößte Teil digitale Arbeiten.
Das Filmfestival selbst in seiner Ausrichtung und Gestaltung hat sich jedoch dadurch nicht grundsätzlich verändert. Es ist so, wie es viele Jahre zuvor war. Ein Ort lebendiger Erfahrung, ein Ort der Konfrontation, ein Zusammenhang, in dem Menschen gemeinsam sich wieder finden in einer Welt der Bilder und Töne. Ein Fest, ein Ausnahmezustand, ein Ort der Freude, der Verunsicherung, des Neuen, des Alten, des Vergessenen, des Ungeahnten, der Verstörung, des Glücks.
Zugleich aber ist ein Filmfestival wie die Viennale jetzt ein Moment, in dem diese technologischen Umbrüche sichtbar werden, wo das Alte und das Neue aufeinander treffen und manchmal das Alte ganz neu erstrahlt und das Neue ganz alt aussieht. Nehmen wir etwa zwei wichtige Programme der kommenden Viennale, die traditionelle, gemeinsam mit dem Filmmuseum veranstaltete Retrospektive, die in diesem Jahr dem vielleicht größten Filmemacher der Geschichte, John Ford, gewidmet ist und das Programm zum filmischen Format 16mm, also erstmalig bei der Viennale eine Schau, die von einem technischen Aspekt des Kinos ausgeht und einen wunderbaren Bogen über die Geschichte, Genres und Formen des Kinos spannt.
Das Neue und das Alte, mehr denn je ist es Thema und Gegenstand der Viennale und es ist vielleicht gerade dieser Zusammenhang, der das Festival von so vielen anderen unterscheidet. Das Feuer des Kinos weiter zu reichen, immer neu zu entfachen, zu schüren, das ist die Idee der Viennale, Luft und Licht und Flamme zu sein.

In dem diesjährigen Sujet zum Hauptprogramm des Festivals findet sich diese oben erwähnte Idee wieder, der Anspruch und die Hoffnung als Filmfestival in diesen Zeiten so etwas zu sein wie “the keeper of the flame”. Der vielleicht nicht unbescheidene, aber ernsthafte Anspruch, das Feuer des Kinos weiterzugeben, aus der Gegenwart ins Vergangene zu leuchten, aus dem Vergangenen das Jetzt zu erhellen.
Das Heute des Kinos.