Die junge Mei beschließt, aus ihrem Heimatdorf in die nächste Stadt, nach Chongqing, abzuhauen. Doch das Leben ist auch dort alles andere als einfach. Nach dem Rausschmiss aus einer Textilfabrik nimmt sie eine Stelle in einem Friseursalon an. Dort verliebt sie sich in Spikey, einen Auftragskiller der lokalen Mafia. Eines Abends kommt Spikey blutüberströmt nach Hause und stirbt vor ihren Augen. Mei findet mehrere Bündel Geldscheine unter der Matratze und flieht nach London, wo der 70-jährige Mister Hunt sie heiratet. Im stillen Haus ihres Mannes beginnt sie ein neues Leben.
Nicht nur im Titel erinnert
She, a Chinese an den wohl berühmtesten Schweizer Filmemacher, Jean-Luc Godard. Guo Xiaolu zeigt sich beeinflusst in der Wahl der verfremdenden Stilmittel
- kommentierende Zwischentitel und ein kontrapunktischer Rock-Soundtrack, den John Parish schrieb, entheben ihre Arbeit aus den Fesseln des Naturalismus. Die elegische Wucht der Musik wirkt wie ein breiter Pinselstrich über den zarten Konturen einer Inszenierung von delikatem Feingefühl.
Ohne Scheu streift die Regisseurin das Genre des Gangsterfilms, wenn sich die tragische Heldin einerseits mit dem gewaltsamen Tod ihres Geliebten konfrontiert sieht, andererseits die finanzielle Beute als Ticket in die Freiheit nutzt. Dass all diese disparaten Stilelemente dennoch zu einer Einheit werden, dürfte auch das Verdienst von Andrew Bird sein, einem der besten Schnittmeister des Gegenwartskinos.
She, a Chinese besticht nicht zuletzt durch seine kluge Montage. (Daniel Kothenschulte)
GUO
XIAOLU
Guo Xiaolu wird 1973 in einem Dorf in Südchina geboren. Studium an der Filmakademie von Beijing und später mittels eines Stipendiums an der National Film and Television School in London. Daneben schreibt sie seit ihrer Jugend Gedichte und Prosa, im Jahr 2000 erscheint ihr erster Roman
Fengfangs 37.2 Degrees, gefolgt 2003 von dem international erfolgreichen
Wo xin zhong de shitou zhen (Village of Stone). Im selben Jahr dreht sie ihren ersten Kurzfilm
Far and Near, ein Jahr später entsteht ihr erster langer Dokumentarfilm
The Concrete Revolution, in dem sie die architektonischen und sozialen Umbrüche in Beijing untersucht.
Jin tian de yu ze me yang? (How Is Your Fish Today?), in dem sie von der Reise eines Drehbuchautors zum nördlichsten Punkt Chinas erzählt, erlangt internationale Aufmerksamkeit und wird bei mehreren Filmfestivals ausgezeichnet. 2007 erscheint ihr Roman
A Concise-Chinese-English Dictionary for Lovers, der in 24 Sprachen übersetzt wird. Mit
She, a Chinese gewinnt sie heuer beim Filmfestival von Locarno den Goldenen Leoparden, mit
Women cengjing de wuchanzhe (Once Upon a Time Proletarian: 12 Tales Country) ist sie beim Filmfestival von Venedig vertreten.
In Anwesenheit von Guo Xiaolu.