In Afrika, Indien und Europa werden Ziegelsteine produziert, aus denen Krankenstationen, Kinderheime, Schulen und Wohnhäuser entstehen. Harun Farocki beobachtet die Arbeitsschritte bei der Herstellung dieses Baumaterials. Per Hand, Maschine oder Roboter wird es gegossen, gebrannt oder gepresst.
Der Titel des Films teilt etwas Entscheidendes mit: Farocki bietet lediglich Material an, der Akt des Vergleichens zwischen traditioneller, früh- und hochindustrieller Gesellschaft liegt beim Zuschauer. Die kleinste Einheit, auf die sich der Film ausschließlich konzentriert, ist der Ziegelstein. Das verbindende Element sind Texttafeln, die knapp über den jeweiligen Ort und die Bauweise informieren. Ein weiterer Vergleich drängt sich auf: Die kleinste Einheit des 16mm-Bildes ist das Korn. Es verbindet sich mit jenem Pixel, der in der Schweiz am Computer generiert wird, um einen Ziegel darzustellen, ebenso wie mit der Bleistiftzeichnung einer europäischen Architekturstudentin in Indien. Analoge und digitale Bildwelten sind mehr als Informationsträger, sie sind Teil der Produktion. (Stefanie Schulte Strathaus)
Um basale Dinge geht es in diesem Film, um Mensch und Arbeit, um die Bearbeitung von Materie mit Technik. Man sieht Handgriffe und Instrumente und Abläufe, die einfach aussehen und in denen zugleich jahrhundertealtes Wissen steckt. Man sieht Menschen ohne Maschinen, man sieht Menschen an Maschinen, und man sieht Maschinen fast ohne Menschen, die Stein auf Stein und Ziegel für Ziegel Wände bauen. Man sieht, wie eine neue Idee - das Brennen von Ziegeln erst im fertig hochgezogenen Haus - Fuß fasst. Man sieht Architekturstudenten des Westens, die von den Techniken Afrikas lernen wollen. Eigener Hände Arbeit heißt hier erst einmal: Abstraktion des Gesehenen in der Zeichnung. (Ekkehard Knörer)
HARUN
FAROCKI
Geboren 1944 in Neutitschein/Nový Jicc;ín, Tschechien. Filmstudium an der dffb in Berlin. Von 1974 bis 1984 ist er Redakteur der Zeitschrift «Filmkritik». Dreht seit Mitte der 60er Jahre vorwiegend essayistische Filme zu sozialen und politischen Fragen. Seit 2006 Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Filme (Auswahl):
Zwischen zwei Kriegen (1978),
Bilder der Welt und Inschrift des Krieges (1988),
Stilleben (1997, Viennale 97),
Die Schöpfer der Einkaufswelten (2001),
Erkennen und Verfolgen (2003, Viennale 03),
Nicht ohne Risiko (2004, Viennale 04).
In Anwesenheit von Harun Farocki.