V’14: OCTOBER 23 – NOVEMBER 5, 2014

Retrospektive

Fritz Lang

Mit Fritz Lang (geboren 1890 in Wien, gestorben 1976 in Beverly Hills) assoziiert man gemeinhin nicht nur den Monokel-tragenden Star-Regisseur von METROPOLIS, M und den DR. MABUSE-Filmen, sondern auch jenen Mann, dem Goebbels 1933 die Leitung der deutschen Filmproduktion angetragen hatte, und der daraufhin über Frankreich in die USA floh, wo er die nächsten 40 Jahre leben und – oft unter schwierigen Bedingungen – arbeiten sollte. Wie die Klassiker-Aura hängen über Langs Werk und Namen also ebenso verschiedene Geschichts-Nebel des 20. Jahrhunderts. Was Lang aus seinem deutschen Werk im amerikanischen – das mit 22 Filmen aus praktisch allen Genres größer ist – weiterentwickeln konnte (vieles) und was nicht (genauso vieles), ist das beredte und bewegende Zeugnis einer Künstler-Biografie, das zu sprechen beginnt, so man die Filme in direkter Nachbarschaft sieht. Solcherart lässt sich ein Klassiker für die heutige, schwierige Zeit gewinnen. Denn so wie Lang selbst gekämpft hat, stellt der Kampf auch eine Grundnotwendigkeit für seine Helden dar. Der junge Godard schrieb einmal, die exemplarische Situation beim «germanischsten aller amerikanischen» Regisseure sei diese: Einem normalen Menschen wird etwas genommen, das aus seinem Leben nie wegzudenken war. Nun muss er sein Schneckenhaus verlassen und auf eigene Rechnung Gerechtigkeit herstellen. «Wichtig ist nicht so sehr, ob er gewinnt», sagte Lang immer wieder, «sondern, DASS er den Kampf aufnimmt.»