V’17: OCTOBER 19 – NOVEMBER 2, 2017

ROBERT LAND

ROBERT LAND
Die Wiederentdeckung eines verschollenen Filmemigranten

Der Film ist für mich der intensivste Exponent modernen Lebens, darum liebe ich den Film und habe mich ihm mit Haut und Haar verschrieben. (Robert Land, 1928)

Er gilt als einer der großen Unbekannten des deutschsprachigen Kinos der Zwischenkriegsjahre. Das Œuvre des österreichsch-jüdischen Regisseurs umfasst 28 Regiefilme, ein Großteil davon galt jahrzehntelang als verschollen, auch über sein Leben war bislang nur wenig bekannt. Wie bei vielen Filmemigranten führten die politischen Umstände der Vertreibung zu einer beinahe vollständigen Auslöschung.

Nach intensiven internationalen Recherchen ist es dem Filmarchiv Austria gelungen, einen Großteil seines Werks aufzufinden und durch aufwendige Filmrestaurierungen wieder sichtbar zu machen. Zur Viennale präsentiert das Filmarchiv Austria eine erste Werkschau zu Robert Land und ergänzt damit die Geschichte des österreichischen Filmexils um einen gewichtigen Eintrag. Die Retrospektive umfasst 13 Filme, darunter 5 Stummfilme, die mit zeitgenössischer elektronischer Musik live vertont werden.

Robert Land wird am 13. Juli 1887 als Robert Liebmann im mährischen Kremsier geboren, das Gymnasium absolviert er in Wien. Erste Erwähnung findet er im September 1911 durch ein Engagement an der Residenzbühne, damals schon unter seinem Künstlernamen Robert Land. Er sucht die Nähe zum Film und findet sie als "artistischer Leiter" der Preiss-Film. Bevor sich seine Karriere weiter entfalten kann, wird Robert Land nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum Wehrdienst eingezogen. 1918 wird er von der Wiener Produktionsfirma Helios-Film engagiert um Grillparzers Jüdin von Toledo zu verfilmen. Für die Historiafilm dreht er 1921 den Film DIE ROSENKREUZER, der die Verschwörung der Rosenkreuzer gegen die aufklärerischen Reformen Kaiser Joseph II., schildert. Mit den Dreharbeiten zu DER FLUCH beginnt Robert Land 1924, in dem die noch unerfahrene Lilian Harvey mit der Rolle als junge Jüdin Ruth ihr Filmdebut gibt. Weitere Regiearbeiten folgen erst zwei Jahre später. 1926 bis 1933 gelangen zwanzig von ihm inszenierte Filme in die deutschen Kinos. Es sind breitenwirksame Publikumsfilme, die Robert Land mit durchwegs bekannten SchauspielerInnen besetzt: Liane Haid, Fritz Kortner, Hans Albers, oder angehende Stars wie Marlene Dietrich und Käthe von Nagy.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jänner 1933 dreht Land ein letztes Mal in Österreich für das national gefärbte Erste-Weltkriegs-Volksstück DREI KAISERJÄGER, bei dessen Aufführung in den deutschen Kinos 1933 sein Name bereits aus den Credits verschwunden ist. Er flüchtet in die Tschechoslowakei, wo er er 1935 das Eifersuchtsdrama JANA, DAS MÄDCHEN AUS DEM BÖHMERWALD und 1938 mit PANENKA seinen letzte Filmarbeit abschließt. Fünf Monate nach der Besetzung Frankreichs stirbt Robert Land am 9. November in Paris. Die Todesursache ist nicht bekannt.

 

Ein Programm des Filmarchiv Austria zur Vienna 2016 • www.filmarchiv.at

 

FILME

DIE JÜDIN VON TOLEDO (1919) + GAUKLER (1930) (Doppelprogramm) mit Live-Musik von Fabian Pollack & special guest
DIE ROSENKREUZER (1922) mit Live-Musik von ddkern & David Schweighart
DER FLUCH (1925) mit Live-Musik von Katharina Ernst
VENUS IM FRACK (1927) mit Live-Musik von Rana Farahani & Ursula Winterauer
ICH KÜSSE IHRE HAND MADAME (1928) mit Live-Musik von dieb13
ZWEI ROTE ROSEN (1928) mit Live-Musik von Christof Kurzmann
BOYKOTT (1930) mit Live-Musik von Raumschiff Engelmayr & Peter Kutin
UNSCHULD/DIE KLEINE VERONIKA mit Live-Musik von KMET (1930)
24 STUNDEN AUS DEM LEBEN EINER FRAU (1931)
WEEKEND IM PARADIES (1931)
JANA (1936)
PANENKA (1938)

 

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