Auf dem Filmfestival in Cannes teilten sich 1959 zwei Filme den Kritiker-Preis, welche die damalige Welt von zwei Extremen aus angingen; der eine war Alain Resnais'
Hiroshima, mon amour, der andere
Araya. In der Lagune von Araya im Nordosten von Venezuela wird seit Jahrhunderten Salz gewonnen. Zu imposanten Pyramiden gehäuft, ist es zum Teil der Landschaft geworden. Wer nicht in den Salinen schuftet, ist am Fischfang beteiligt oder an einer der Routinen, welche die Menschen am Leben halten. Wenn man stirbt in Araya, wird das Grab mit Muscheln geschmückt, da auf dem salzigen Boden keine Blumen wachsen.
Man kann
Araya als einen wunderschön fotografierten Schwarzweiß-Film sehen, der mit der Landschaft und den Körpern eine mimetische Beziehung eingeht. Man kann ihn aber auch als eine physische Erzählung über den nie aufgehenden Gegensatz zwischen Licht und Schatten, Betrachter und Betrachtetem, Kamera und Objekt sehen. Das Salz ist dabei der geheimnisvolle Mittler: Es gibt dem Film seine karge Schönheit und das Weiß der Kontraste und ist dabei gleichzeitig Leben und Joch der Menschen von Araya. Die Restauration von Margot Benacerrafs
Araya nach dem Originalnegativ ist nun ihrerseits eine mimetische Geste, denn in gewisser Weise ist es das Salz, was diesen Film konserviert hat. (Tobias Hering)
MARGOT
BENACERRAF
Geboren 1926 in Caracas, Venezuela. Studiert zunächst Literatur und Philosophie. 1950 beginnt sie nach einem Aufenthalt in den USA ein Filmstudium am IDHEC, dem Institut des Hautes Etudes Cinématographiques in Paris. Ihr erster Kurzfilm
Reverón, eine poetische Studie über den gleichnamigen venezolanischen Künstler, wird auf der Berlinale 1953 präsentiert, ihr Langfilmdebüt
Araya 1959 in Cannes ausgezeichnet. 1966 gründet sie die venezolanische Kinemathek, Cineteca Nacional. Sie lebt in Paris und Caracas.