Der 35-jährige Jara ist in der Sicherheitsbranche tätig. Unter der Woche arbeitet er als Wächter eher gelangweilt in einem Supermarkt in Montevideo, am Wochenende setzt er seine beeindruckende Physis als Türsteher einer Bar ein. Eines Tages fällt ihm auf einem der Bildschirme der Überwachungskameras, die er beaufsichtigt, eine junge Putzfrau auf. Als dieser aus Versehen ein Missgeschick passiert, lacht er zwar in seinem Versteck auf, doch von da an hat es ihm die Frau angetan. Jara entwickelt eine regelrechte Obsession, und die Überwachungskameras laden ihn geradezu ein, sein angebetetes Objekt ununterbrochen zu beobachten. Bald verschafft er sich Einblick in ihre Akten, erfährt, dass sie Julia heißt und wo sie wohnt, und folgt ihr heimlich. Doch wann immer er ihr - beispielsweise in der Firmenkantine - auf scheinbar selbstverständliche Art über den Weg läuft, wendet er sich im selben Moment ab und versucht sich zu verstecken.
Gigante lebt vom speziellen Charme seines Helden, der den Zuschauer mit dem Gegensatz von imposanter Gestalt und großer Schüchternheit anrührt. Und es ist tatsächlich beeindruckend, wie Regiedebütant Adrián Biniez es versteht, eine Geschichte mit einer derart verschlossenen, schweigsamen Gestalt in ihrem Zentrum so unterhaltsam zu erzählen. (Karl Fischer)
ADRIAN
BINIEZ
Geboren 1974 in Buenos Aires. Arbeitet in den 90er Jahren als Sänger und Komponist einer Independent-Band. Schreibt in der Folge Drehbücher für die TV-Serie
El Fin del Mundo (2005) und dreht selbst zwei Kurzfilme (
8 horas,
Total disponibilidad).
Gigante ist sein Spielfilmdebüt, für das er bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären, den Preis für den Besten Erstlingsfilm und den Alfred-Bauer-Preis erhält.