V’16: OCTOBER 20 – NOVEMBER 2, 2016

instagram twitter facebook

 

Play it dirty. Play it class.

Michael Caine
Play it dirty. Play it class.
Eine Hommage an den Schauspieler Michael Caine

Wenn es einen Schauspieler gibt, für den der Begriff «professional» mehr ist als nur die Charakterisierung einer pragmatischen Berufsauffassung, dann für den großen Michael Caine. In seiner beispiellosen Karriere steht die subtilste und feinste schauspielerische Arbeit neben klassischen, in Würde absolvierten «paycheck roles». Und Sir Michael Caine, ein Bursche aus dem englischen Arbeitermilieu, hat daraus nie ein Hehl gemacht. Je berühmter Caine wurde, je weiter er in der Hierarchie Hollywoods aufrückte, umso stärker kostete er die Diskrepanz zwischen seiner «working class»-Herkunft und dem snobistischen Filmmilieu aus. «Ich bin der Alptraum jedes Spießers,» sagte er einmal. «Ein Prolet mit Hirn und einer Million Dollar.» Die rund 80 Filme, in denen er im Laufe seiner Karriere mitgewirkt hat, waren die Arbeit eines Professionals, vollbracht mit Eleganz, Witz und höchstem schauspielerischen Ethos. Am Beginn seiner Laufbahn in den 60er und frühen 70er Jahren war er abonniert auf harte Cockney-Rebellen, die nach dem Motto «I want the world and I want it now» handelten. Mit Filmen wie THE IPCRESS FILE (1965), ALFIE (1966), GET CARTER (1971) oder SLEUTH (1972) avancierte er zum Inbegriff eines British Cool und zu einem der größten Stars des internationalen Kinos.

Später transferierte er seine komplexe Schauspielkunst, in der ein fast femininer Charme und das stoische underplay eines Killers eine seltsame Allianz eingingen, problemlos nach Hollywood. Er nahm ein wenig von der Härte der frühen Jahre mit und reicherte sie durch existentielle Tiefe an, die sich vor allem in einer immer stärkeren Reduktion der darstellerischen Mittel äußerte. In Rollen wie der des resignierten Ehemannes Elliott in HANNAH AND HER SISTERS (1986) von Woody Allen, für die er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde oder des transsexuellem Psychomörders in Brian de Palmas DRESSED TO KILL (1980) ist Michael Caine einfach da, ohne alle Tricks und Aufgeregtheiten. Und es ist vielleicht seine größte Leistung, dem forcierten Method Acting, das lange Zeit Hollywood dominierte, eine Aura und Präsenz entgegenzusetzen, die sich der Genauigkeit der Beobachtung und der gestischen Andeutung verdanken, dem Mut zur Auslassung und Skizzenhaftigkeit, der ihn unverwechselbar macht und seiner Arbeit Würde verleiht.

Zuletzt brillierte er, der im Jahr 2000 von der queen zum Ritter geschlagen wurde, als stoischer Butler Alfred Pennyworth in der BATMAN-Trilogie von Christopher Nolan. «Und Michael Caine?», fragte kürzlich eine Kritikerin, enttäuscht von THE DARK KNIGHT RISES, um sich dann selbst die Antwort zu geben: «Ja, der Butler ist da, viel, viel zu kurz und viel zu gut».

Jetzt, bei der Viennale 2012, gibt es mehr von Michael Caine zu sehen, nämlich rund ein Dutzend seiner schönsten und außergewöhnlichsten Arbeiten. Und schließlich Sir Michael Caine himself. In person, als Gast des kommenden Festivals.

 

Filmauswahl

ALFIE, Lewis Gilbert, GB 1965
GET CARTER, Mike Hodges, GB 1971
SLEUTH, Joseph L. Mankiewicz, USA 1972
THE MAN WHO WOULD BE KING, John Huston, GB/USA 1975
DRESSED TO KILL, Brian De Palma, USA 1980
EDUCATING RITA, Lewis Gilbert, GB 1983
HANNAH AND HER SISTERS, Woody Allen, USA 1985
DIRTY ROTTEN SCOUNDRELS, Franz Oz, USA 1988
THE QUIET AMERICAN, Philip Noyce, USA/AUS/D/GB/F 2002
HARRY BROWN, Daniel Barber, GB 2009