V’17: OCTOBER 19 – NOVEMBER 2, 2017

DARWIN'S NIGHTMARE

V' 04

DARWIN'S NIGHTMARE

Hubert Sauper
A/F/B, 2004
Dokumentarfilme, 107min, OmdU

DARWIN'S NIGHTMARE

Hubert Sauper
A/F/B, 2004
Dokumentarfilme, 107min, OmdU

Drehbuch: 
Hubert Sauper
Ton: 
Cosmas Antoniadis
Kamera: 
Hubert Sauper
Alexander Rieder
Schnitt: 
Denise Vindevogel

Produktion: 
coop99 Filmproduktion GmbH Wasagasse 12/1 1090 Wien T 1 3195825 welcome@coop99.at
Weltvertrieb: 
Celluloid Dreams 2 rue Turgot 75009 Paris, Frankreich T 1 49 70 83 23 info@celluloid-dreams.com
Format: 
35 mm
Farbe

Seit auf Anordnung der britischen Kolonialverwaltung der Nil-Barsch im Victoriasee in Tansania ausgesetzt wurde, ist das ökologische Gleichgewicht am Kippen. Und obwohl täglich Tonnen von teuren Nilbarsch-Filets exportiert werden, haben sich die Lebensbedinungen für die Bewohner radikal verschlechtert. Durch jahrelange, gefährliche Recherchen und Dreharbeiten gelang es Sauper, die gespenstischen Auswirkungen einseitigen Profits ebenso ungeschönt darzustellen wie die Weigerung der Exportdestination EU und der lokalen Regierung, diese Konsequenzen wahrzunehmen. Zunächst geht es (nur) um einen großen Fisch: den Nil- beziehungsweise Viktoriabarsch. Er wurde in afrikanischen Gewässern ausgesetzt und behauptete sich am Ende der Nahrungskette. Der Raubfisch gibt in Darwins Nightmare ein treffendes Bild ab für die Mechanismen im Verhältniss zwischen Erster und Dritter Welt: In Tansania ist der Barsch nämlich längst zur wichtigsten Einkommensquelle geworden. Täglich landen hier Flugzeuge, um Fischfilets in westliche Industrieländer zu exportieren; für die heimische Bevölkerung bleiben nur Fischköpfe zurück, die von Müllhalden aufgelesen und selbst madendurchsetzt noch verzehrt werden. Sauper setzt nüchtern und minutiös mehrere Ebenen miteinander in Beziehung, er zeigt die Wechselwirkungen einer globalen Ökonomie: Mittels Interviews und eindringlicher Szenen, in denen das Umfeld des vermeintlichen Fisch-Eldorados erkundet wird, demonstriert er, dass von der Fischproduktion nur wenige profitieren, während Prostitution und Drogenkonsum auf den Straßen immer mehr zunehmen. Den schockierendsten Einblick in diese fragwürdigen ökonomischen Beziehungen hebt sich Sauper bis zum Ende auf: Er provoziert die Aussage, dass die russischen Flugzeuge in Afrika nicht ohne Ladung ankommen. Schließlich spricht es ein Pilot dann aus: Er habe meist Waffen an Bord. Nicht nur der See ist in Tansania aus dem Gleichgewicht, sondern das ganze Land. (Dominik Kamalzadeh)

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